Notzingen. Zuerst mischten die „Rock und Rollinger“ kräftig auf. Schon bei der Begrüßung von Manfred Rollinger und Dr. Horst Rock war klar: Das wird kein gewöhnlicher Abend. In Schlapphut und Karohemd kündigte der Lead-Sänger seinen Kollegen an. Die Erscheinung mit hautenger Lederjeans, Schnurrbart und prächtigem Wuschelhaar durfte sich so manch schwäbisch-derben Spruch seines Kollegen anhören – besonders dann, wenn er als abgehobener Rockstar brillieren wollte. Mit dieser lockeren Art hatten die beiden die Besucher schnell auf ihrer Seite.
Das bunt gemischte Publikum ließ sich sofort von den eingängigen Melodien und den Texten über das alltägliche Leben der „Rock und Rollinger“ mitreißen. Zu hören waren rockige Stücke wie „Von der Alb“, aber auch Balladen wie „Brutal verliebt“. Der gespannt erwarteten „Schwabenhymne“ fieberten nicht nur die vielen mitgereisten Fans aus Ulm entgegen.
Nach der Umbaupause, die amüsant durch die beiden Ausnahmemusiker überbrückt wurde, nahm der Musikverein Notzingen-Wellingen auf der Bühne Platz. Im Scheinwerferlicht der Lightshow präsentierten die Musiker zusammen mit der Rockband die bekanntesten Stücke der Gruppe. Arrangiert und einstudiert wurden die Lieder vom Dirigenten Rainer Schwab und einem der Initiatoren des Gemeinschaftsprojekts.
Die neue Verbindung aus traditionellem Blasorchester und Rockband und das klangliche Zusammenspiel der beiden komplett unterschiedlichen Musikrichtungen wurde von den Besuchern begeistert aufgenommen. „Diese Kooperation bleibt keine Eintagsfliege und wird auch zukünftig bestehen bleiben“, versprach Georg Frank, Vorsitzender des Musikvereins Notzingen-Wellingen. „Am Anfang wussten wir alle nicht, was am Ende herauskommt“, erinnerte sich Musiker Timo Frank. Das Ergebnis habe aber gezeigt, dass sich das Experiment gelohnt hat.
Die Gemeindehalle war perfekt auf die Veranstaltung vorbereitet. Neben Scheinwerfern und Nebelanlagen war die Bühne mit Heuhaufen und Gabeln geschmückt, die den schwäbischen Stil des Abends gut trafen.mm
Regglisweiler. "Mir kennad älles außr Hochdeitsch", singen Dr. Horst Rock und Manfred Rollinger in ihrer berühmten Schwabenhymne. Das ist nicht übertrieben: Ihre Lieder sind spaßig, perfekt abgestimmt und gehen ins Ohr.
"Darf ich vorstellen, Manfred Rollinger, 44, Landwirt, von der schwäbischen Alb und Rocksänger", sagt der Erste im breitesten Schwäbisch, zieht den Filzhut und rückt die Hornbrille zurecht. "Dr. Horst Rock, 43, from the Swabian Alb, Rockstar and still solo", kündigt der Zweite in Leder-Outfit und wallender Lockenmähne an. Er hat mal wieder vergessen, dass das Duo Rock&Rollinger Amerika noch nicht erobert hat mit seinem schwäbischen Mundart-Rock, sondern an diesem Abend im Bürgerhaus in Regglisweiler zu Gast ist. 80 Besucher erlebten dort Musikkabarett vom Feinsten: einen höchst unterhaltsamen Lobgesang auf die Schwaben, ihre Sprache und die schöne schwäbische Alb.
"Isch hald bled, wenn dr Tatort naus goht, gell?", frotzelt Manfred Rollinger zu Beginn gleich mal in die Runde und erntet die ersten Lacher. Einige Herren nicken allerdings nur dezent. Rock&Rollinger kennen die Schwaben und die Eigenschaften, die man ihnen nachsagt, bestens. Sie huldigen den Spätzla, betonen den Stolz auf die schwäbische Heimat und wissen, "Mir bauat die beschde Auto auf dr Welt und sparet onsr Geld."
Doch auch Lieder mit ernsterem Hintergrund haben die beiden Hobby-Musiker, die erst seit etwa eineinhalb Jahren zusammen auftreten und dennoch schon ihre zweite CD produziert haben, im Gepäck: Da geht es in "Die Krone der Schöpfung" um den dringend notwendigen Umweltschutz. "Sau, Karle, Sau" befasst sich mit einem Menschen, der an den Rand der Gesellschaft gedrängt wird.
Vielseitig sind ihre Rhythmen - hier mal ein schwäbischer Reggae, auch wenn Horst Rock "versehentlich" erst einmal "TNT" und "Smoke on the Water" anstimmt - da ein waschechter Volksmusik-Hit mit stilechtem Florian-Silbereisen-Kostüm.
Gemein ist den allesamt selbst geschriebenen Stücken, dass die Stimmen der beiden Sänger perfekt harmonieren. Das stellen vor allem auch etwas getragene Titel wie die Liebeserklärung auf Schwäbisch ("I bin brutal verliebt") deutlich unter Beweis.
Zu "Sommer auf dr Alb", das so eingängig ist, dass es mit den Hits im Radio locker mithalten könnte, wird dann auch gleich noch das Publikum eingespannt: "Die Sonn, die scheint vom Himml, und dr Wind streicht durch die Bäum": Bis Manfred Rollinger das "Sssssch" des Windes aus dem Publikum kräftig genug ist, lässt er seine Zuhörer drei Mal tief Luft holen.
Auch wenn Horst Rock, der des Öfteren mal ins Englische abrutscht und die Rockstar-Mimik schon perfekt zur Schau stellt, seinen Schwaben-Rock am liebsten im ausverkauften Central-Rock spielen will: Es ist gut, dass ihn Manfred Rollinger immer wieder auf den schwäbischen Boden holt, wenn er während seiner Gitarren-Soli von der Amerika-Tournee träumt.
So kommen vorerst noch hierzulande die Zuhörer in den Genuss der Rocker der Extraklasse - zum Beispiel am 18.Dezember um 21 Uhr in der Musikkneipe "Caddy" in Ehingen.
info Weitere Informationen gibt es unter www.rockundrollinger.de.
Eine Liebeserklärung an das Schwabenland von Manfred Rollinger und Dr. Horst Rock. Foto: Lisa Ranz